Gemäß Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) ist der Messstellenbetrieb Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetreibers, soweit keine anderweitige Vereinbarung nach §5 oder §6 MsbG getroffen wurde.
Zum Messstellenbetrieb zählen Einbau, Betrieb und Wartung von Messeinrichtungen und Messsystemen sowie die Messung der Energie einschließlich Messwertaufbereitung und Datenübertragung nach Maßgabe des MsbG.

Die Rechte und Pflichten zwischen dem Netzbetreiber und dem Messstellenbetreiber werden im Messstellenvertrag §9 Abs. 1 Nr. 3 MsbG geregelt.
Der Netzbetreiber ist nach §12 MsbG berechtigt vom Messstellenbetreiber die Durchführung der notwendigen Handlungen an der Messstelle für eine Unterbrechung nach den §§ 17 und 24 der Niederspannungsanschlussverordnung vom 1. November 2006 (BGBl. I S. 2477) zu verlangen.

 

Intelligente Messtechnik: Die Digitalisierung der Energiewende

Die Energiewende beschleunigt den Umbau der Elektrizitätsversorgung in Deutschland erheblich.
Während in der Vergangenheit elektrischer Strom nur in eine Richtung floss und Informationen über die Stromflüsse sehr limitiert waren, ist das dezentrale Stromversorgungssystem
der Zukunft durch bidirektionale Informations- und Stromflüsse gekennzeichnet.
Auch auf der Verbraucherseite verändert sich viel: Passive Stromkonsumenten entwickeln sich mehr und mehr zu „Prosumern“, die aktiv an der Gestaltung des Stromversorgungssystems teilnehmen. In der Summe erhöhen diese Veränderungen insbesondere die Anforderungen an die einzusetzenden Mess- und Kommunikationstechnologien und Datenverarbeitungssysteme.

Hierbei kommt intelligenten Messsystemen eine wichtige Rolle zu. Sie können je nach Ausstattung für Letztverbraucher, Netzbetreiber und Erzeuger die notwendigen Verbrauchsinformationen bereitstellen, zur Übermittlung von Netzzustandsdaten verwendet werden, sichere und zuverlässige Steuerungsmaßnahmen unterstützen sowie als eine Art Kommunikationsplattform im intelligenten Energienetz dienen. Intelligente Messsysteme sind allerdings auch ein Instrument für mehr Energieeffizienz. Der Letztverbraucher erhält präzise Informationen über sein Verbrauchsverhalten. Zum anderen ermöglichen intelligente Messsysteme die Umsetzung variabler Tarife.


Die Plattform-Kompatibilität und vor allem die Fertigung nach einem Privacy-by-design-Standard des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind es, die intelligente Messsysteme von herkömmlichen Messsystemen (sog. „Smart Metern“) unterscheiden.

Die genannten verbraucherorientierten Zwecke veranlassten die Europäische Kommission, den Mitgliedstaaten aufzugeben, 80 Prozent der Letztverbraucher mit intelligenten Messsystemen auszustatten. Deutschland hat mit Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende, dessen wesentlichster Bestandteil das Messstellenbetriebsgesetz ist (MsbG), diese Richtlinie in nationales Recht überführt.

Durch das MsbG werden alle Stromnetzbetreiber in Deutschland in die Pflicht genommen.

Als „geborene“ grundzuständige Messstellenbetreiber sollen sie die gesetzlichen Einbaupflichten für intelligente Messtechnik umsetzen. Darüber hinaus hat das MsbG Auswirkungen
auf nahezu alle Bereiche eines „klassischen“ (kommunalen) Energieversorgers. Der Gesetzgeber verlangt eine Grundsatzentscheidung für bzw. gegen die Übernahme der Grundzuständigkeit für den intelligenten Messstellenbetrieb.
Die Stadtwerke Löbau haben sich ganz im Sinne „Alles aus einer Hand“ für ihre Kunden für die Übernahme der Grundzuständigkeit für den intelligenten Messstellenbetrieb entschieden.
Aktuell befinden sich die intelligenten Messsysteme in der Prüfung, wo sie insbesondere auf Funktionalität und Kompatibilität getestet werden. Sobald drei Smart-Meter-Gateways unterschiedlicher Hersteller diese Prüfung erfolgreich absolviert haben, kann der Rollout starten.

 

Nach dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende erhalten alle Kunden mit einem Jahresverbrauch von unter 6.000 kWh bis 2032 eine dieser Modernen Messeinrichtung. Kunden mit einem höheren Verbrauch werden mit Intelligenten Messsystemen ausgerüstet. Doch was ist eigentlich eine Moderne Messeinrichtung oder ein Intelligentes Messsystem, auch Smart Meter genannt?

In beiden Fällen handelt es sich grundsätzlich um digitale Messeinrichtungen. Im Gegensatz zu ihren elektromagnetischen Vorgängern summiert sie nicht nur den Stromverbrauch, sondern speichern die abgerufenen Energiemengen in vorgegebenen Zeitfenstern.

Die einfachste Ausführung ist die sogenannte Moderne Messeinrichtung. Diese archiviert alle relevanten Informationen für die letzten zwei Jahre. Der Verbraucher kann diese Daten analysieren und erhält einen besseren Überblick, wann er wie viel Strom verbraucht hat. Wie bisher werden diese Geräte einmal im Jahr vor ORt abgelesen.

Erweitert man diese Modernen Messeinrichtungen um eine Kommunikationseinheit, dem Smart-Meter-Gateway, spricht man von einem Intelligenten Messsystem. Dieses kann neben der Datenübermittlung auch die Steuerung von elektrischen Anlagen übernehmen. Auf diese Weise können sowohl Stromerzeuger wie Photovoltaikanlagen eingebunden als auch die Stromzufuhr zu Geräten wie Elektroheizungen geregelt werden. Zudem ermöglichen die Geräte die Einführung zeitvariabler Stromtarife.

Intelligente Messsysteme ermitteln ermitteln die Verbrauchsdaten alle 15 Minuten und übermitteln diese an das Smart-Meter-Gateway, welches sie automatisches weiterverarbeitet und überträgt. Die so gewonnenen Informationen über Einspeisung und Verbrauch werden immer wichtiger für den stabilen Betrieb der Stromnetze im ganzen Land. Ein weiterer Vorteil der Geräte besteht in der möglichen Einbindung vpn Gas-, Wasser- und Fernwärmemessanlage an das Smart-Meter-Gateway.

Bedeutende Themen bei der Datenübertragung sind der Datenschutz und die Datensicherheit. Diese werden bei den Intelligenten Messsystemen durch eine Technik gewährleistet, die von vornherein nur eingeschränkte Funktionen zulässt. Vergelichbar ist dies mit einem Briefverteilzentrum, bei dem der Briefabsender und der Empfänger bekannt sind, der Briefinhalt jedoch verschlossen bleibt. Zudem kommt eine hochwertige Datenverschlüsselung zum Einsatz. Der Datenschutzstandard ist vergleichbar mit dem vom Onlinebanking oder Chip auf dem Personalausweis und wird vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zugelassen und kontrolliert.